Anfangszeit


Forschungen

Der an der Geschichte der „Cäcilia“ Pachten interessierte Leser wird sich mit Recht die Frage stellen: Wie kam die Vereinsführung dem relativ hohen Choralter auf die Spur, und wie konnte der Nachweis hierüber dem Allgemeinen Cäcilienverband für die Länder der deutschen Sprache (ACV) erbracht werden; denn mit dem gesegneten Alter von vollen hundert Jahren (nicht hundertster Geburtstag) ist für die Kirchenchöre die Verleihung der Palestrina-Medaille verbunden.

Antwort auf diese Frage gibt eine Erklärung von Frau Gretel Fischer, Pachten, die sich nicht nur um heimatliche Mundartdichtung, sondern auch um Pfarrchronik – von Dechant Alois Molter angeregt – , hohe Verdienste erworben hat. Frau Fischer stellt fest:

„Da in der Pfarrei Dillingen, St. Maximin, so gut wie nichts von einer Pfarrchronik vorhanden war, übernahm ich vor 20 Jahren die Aufgabe, damit zu beginnen. Forschungen in und außerhalb der Gemeinde, bei kirchlichen und weltlichen Behörden nach Dokumenten, Fotos und Berichten aus alter und jüngerer Zeit ließen mich alles zusammentragen, was ich für wesentlich hielt. Schließlich standen mir sehr alte Exemplare der damals nicht mehr existierenden „Prims- und Nied-Tal-Zeitung“ zur Verfügung, deren lokaler Teil mit Berichten aus dem Ortsgeschehen viele Lücken schließen half.

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40-jähriges Jubiläum

Bei neuerlicher Durchsicht dieser damals entstandenen Pfarrchronik zog ich die Berichte, den Kirchenchor Pachten betreffend, heraus, zwecks Anlegung einer Vereinschronik. Dabei stieß ich auf den Hinweis vom 20. Oktober 1913 zur Feier des 40-jährigen Bestehens dieses Chores, worin es heißt:

Am 20. Oktober des Jahres feierten sämtliche Vereine im Saale Groß (Scheinersch Suus) den 100. Gedenktag an die Völkerschlacht bei Leipzig…

Um 7.30 Uhr abends wurde das Pfarrhaus erhellt mit bengalischer Beleuchtung. Im Anschluss daran versammelte der Kirchenchor seine Familienangehörigen im Vereinslokal (Knopp), um sein 40-jähriges Bestehen zu feiern. Den drei ältesten Mitgliedern, seit 40 Jahren im Chor, wurde mit einer Ansprache des Präsidenten Lob und Anerkennung gezollt und ein Ehrendiplom überreicht. Den Glanzpunkt des Abends bildete das Lustspiel „Ein heiterer Wirrwarr“ von Pfarrer Dinspel, das die Mitglieder des Chores in wahrhaft meisterhafter Weise auf der Bühne vorführten. Für alle Festversammelten war diese Feier ein hoher Genuss. (Prims- und Nied-Tal-Zeitung vom 22.10.1913)“

chronik001aEine Fotokopie des gleichen bzw. ähnlich lautenden Artikels übergab uns im Januar 1974 dankenswerterweise der Verleger der „Saar-Zeitung“, Herr Fontaine, Saarlouis. Das letzte Drittel dieses Berichts deckt sich inhaltlich mit dem der „Prims- und Nied-Tal-Zeitung“ vom gleichen Tag.

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Der Gründer Franz Xaver Weis

Nach diesem Fund fand sich beim Blättern in der Pfarrchronik auch eine Notiz vom Jahre 1873 folgenden Wortlautes: „Der seit einem Jahr hier ansässige Lehrer Franz Xaver Weis übt neben seinem Hauptlehreramt auch das des Küsters und Organisten aus. Neuerdings hat er einen Kirchenchor gegründet, der aus Männern verschiedenen Alters besteht und die Aufgabe übernimmt, an den Feiertagen zur Verschönerung des Gottesdienstes beizutragen. Lehrer Weis wirbt um Mitglieder. Den Dirigentenstab führt es selbst.“

Leider besitze ich diese Zeitung nicht mehr. Sie ist auch trotz aller Bemühungen nicht mehr aufzutreiben. Ich kann aber mit aller Sicherheit sagen, dass ich den Artikel der „Prims- und Nied-Tal-Zeitung“ entnommen habe.“

chronik001caFranz Xaver Weis, Lehrer

Zwei weitere Dokumente geben Zeugnis von der Chorgründung durch Herrn Hauptlehrer Weis:

Bei der Feier aus Anlass des Ausscheidens von seinem Dienst im Jahre 1903 wurde ein von seinen Schülern verfasstes und auf die Melodie „Strömt herbei ihr Völkerscharen“ zu singendes Lied vorgetragen, in dem es in der vierten Strophe heißt:

„Doch nicht nur den jungen Geistern
stand es in der Schule vor,
Er ist Gründer und auch Meister
hier von unserm Kirchenchor.
Wenn in mächtigen Akkorden
klang des Schöpfers Lob und Preis,
Dann ist jedem klar geworden:
Alles Lob gebührt Herrn Weis.

In der Schulchronik schreibt Herr Hauptlehrer Gerber über das Begräbnis des am Dienstag, dem 18. August 1908, verstorbenen Lehrers Franz Xaver Weis folgendes:

„Die Beerdigung des Verblichenen fand am Freitag, dem 21. August, vormittags 9.30 Uhr hier statt. Trotz des strömenden Regens waren mehr als fünfzig Lehrer und Lehrerinnen herbeigeeilt, um Herrn Weis die letzte Ehre zu erweisen. Der Lehrergesangverein sang am Grabe, ebenso der von Herrn Weis seiner Zeit hier ins Leben gerufene Cäcilienverein.“

An anderer Stelle schreibt der Schulchronist:

32 Jahre, vom Herbst 1872 bis 1. Oktober 1903, dem Tag seiner Pensionierung, wirkte Herr Weis als Lehrer hier in Pachten, geachtet und geehrt von allen Bewohnern des Dorfes.

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Mitgründer

Dass die Initiative zur Gründung des Kirchenchores „Cäcilia“ Pachten nicht ausschließlich von der Person eines einzelnen ausgegangen sein kann, bedarf keiner Frage. Sicher was solches Unterfangen auch abhängig von der Unterstützung des damaligen Pfarrherrn. Leider gab es zu dieser Zeit keine selbständige Pfarrei Pachten; vielmehr lebte die Gemeinde seit dem Jahre 1841 verwaist und sollte es noch 20 Jahre bleiben. Pfarrer Philipp Schmidt, St. Johann, der verdienstvolle Heimatforscher, und seine Nachfolger hatten die Verwaltung der schon im Jahre 1220 genannten selbständigen Pfarrei übernommen.

Lehrer Franz Weis fand aber in dem Neupriester und Sohn der Pfarrei Pachten, Peter Kellner, einen tatkräftigen Mitförderer des jungen Kirchenchores. Denn, da noch kein eigener Seelsorger in Pachten war, versah Kaplan Kellner für den damaligen Pfarrer Hillen von St. Johann einen Großteil des Gottesdienstes und der seelsorglichen Aufgaben. So konnte der ausschließlich aus Männern verschiedenen Alters bestehende Chor wachsen und zu einem für damalige Verhältnisse ansprechenden Klangkörper heranreifen. Leider ist nicht mehr mit Sicherheit nachzuweisen, welche Pachtener Männer zu seinen Mitgründern zählen. Jedoch muss mit großer Wahrscheinlichkeit aufgrund von Nachforschungen und Befragungen in Pachtener Familien angenommen werden, dass zu den drei Männern der ersten Stunde, die anlässlich des 40-jährigen Jubiläums im Jahre 1913 geehrt wurden, die Herren


Klein Johann (Greten Hannes)
Leinen Johann (Leines Hannes)
Welsch Nikolaus (Welschen Neckel)

gehörten. Sie und andere Mitglieder trafen sich zu den wöchentlich einmal stattfindenden Proben in dem damals unter schwierigsten finanziellen Voraussetzungen neu erbauten Pfarrhaus an der jetzigen Bahnhofstraße. Diese Pfarrhaus war für die damals 1500 Einwohner zählende Gemeinde verhältnismäßig groß und geräumig. Immerhin brauchte sich der Chor über Raumnot nicht zu beklagen.

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Pfarrer Georg Weis (1893-1907)

Fügt man jenen für eine Pfarrei positiv zu wertenden Einrichtungen noch die im Jahre 1891 begonnene und 1893 fertiggestellte neue Kirche hinzu, so konnte sich der im gleichen Jahre neu eingeführte, aus Bitburg/Eifel kommende, Pfarrer Georg Weis der Existenz eines guten Kirchenchores erfreuen.

chronik003Pfarrer Georg Weis (1893-1907)

Die Pfarrchronik berichtet, dass der äußerst musikalische Pfarrer zwar ein strenger, aber leutseliger Priester war, der sich in ungewöhnlicher Weise des Kirchenchores annahm, ihn sogar zeitweise dirigierte und die Jugend für das Vereinsleben zu begeistern wusste. Wen nimmt es da wunder, dass Pfarrer Weis sogar eine Orgel aus seiner früheren Pfarrei beschaffte; denn welcher rührige und leistungsstarke Cäcilienchor möchte auf die Königin der Instrumente verzichten!

Der strebsame Pfarrherr schrieb nach Eintreffen der Orgel die Stelle des Küsters und Organisten aus, da für den eifrigen und pflichtbewussten Lehrer Franz Xaver Weis der Dienst als Küster und Organist verständlicherweise nur eine zeitlich begrenzte Nebenbeschäftigung sein konnte, wenn man bedenkt, dass 1892 das letzte seiner acht Kinder geboren wurde.

Nach den Vorstellungen des Pastors sollte der neue Küster ein Mann sein, der aufgrund seiner musikalischen Ausbildung für die Beherrschung des Instrumentes garantiere.

Bis 1897 war bereits der dritte Küster eingestellt worden, als letzter ein blutjunger Mann, sehr musikalisch, wie sich bald herausstellte, der aber leider krank war. So gab er selbst die Stelle auf, zog sich nach Konz zurück, wo er noch im gleichen Jahr starb.
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Michael Cartus (1897-1911)

Nun meldete sich der 28-jährige Michael Cartus aus Trier, ein Mann nach dem Herzen des Pfarrers, der seinen Dienst gewissenhaft versah und sich als guter Organist und Chorleiter einen Namen zu verschaffen wusste. Zeitungsnotizen und Berichte über kirchliche und weltliche Feiern oder vaterländische Feste – bis 1918 üblich – gaben Zeugnis vom hohen Niveau des damaligen Kirchenchores und den Fähigkeiten seines Dirigenten. Es ist erfrischend und erheiternd zu lesen, wie man damals feierte und wie man zu feiern verstand, Anlässe gab’s in Hülle und Fülle, und immer wieder wurde der ortsansässige Kirchenchor zur Mitgestaltung herangezogen. Es könnte bei sachlicher und auf die Berichterstattung zugeschnittenen Betrachtungsweise die Vermutung nahe liegen, dass sich die Schwerpunkte in der Aufgabenstellung und

chronik004Michael Cartus (1897-1911)

Zielsetzung eines Kirchenchores den heutigen Chören gegenüber verschoben hätten. Dem widersprechen aber die damals hoch im Kurs stehenden und bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges alljährlich durchgeführten Cäcilienfeste, an welchen die Chöre ihre ausgezeichneten Leistungen auf dem Gebiete der musica sacra sowie im Bereiche des profanen Liedgutes erbrachten.

Eine Unterstellung ist sicher nicht angebracht, denn Zeitungen schrieben weniger über Kulturelles im Raum der Kirche. Michael Cartus bleib in Pachten; er heiratete in St. Maximin, Pachten, die aus Trier stammende Cäcilia Faure und war noch unter Pfarrer Nikolaus Reitz tätig, den am 20 September 1907 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in sein Amt eingeführt wurde. Unter Organisation der Vereine veranstaltete man abends einen Fackelzug, und über die Begrüßungsfeier des neuen Seelsorgers weiß die Pfarrchronistin sogar von der Mitwirkung des Männergesangvereins „Concordia“ und des Kirchenchores zu berichten. Und wörtlich heißt es:

„Beide Gesangvereine sangen unter Leitung von Michael Cartus „Die Himmel rühmen des ewigen Ehre“. Dem Schreiber dieser Chorgeschichte sei die Anmerkung gestattet: Welch hochlöbliche Gemeinsamkeit! Lasst sie uns ins nächste Jahrhundert fortsetzen!

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Das Fest der Fahnenweihe (1906)

Das Fest der Fahnenweihe, noch unter Pfarrer Weis in seinem letzten Wirkungsjahr in dieser Pfarrgemeinde, sei keineswegs am Rande erwähnt. Im Gegenteil: es ist ein wichtiger Ereignis im Leben und der Geschichte eines Vereins. Sind doch mit der Fahne als äußeres Zeichen eine Menge von Gefühlswerten und Bindungen sowie Verpflichtungen für die durch die Fahne symbolisierte Gemeinschaft mit all ihren Rechten und Aufgaben verbunden. Sicherlich bedeutete das am 27.05.1906 begangene Fest einen Höhepunkt in der Geschichte des damals 33-jährigen blühenden Chores. Wörtlich heißt es:

„So konnte der Tag kommen, auf den sich groß und klein freuten. Der ganze Ort war festlich geschmückt. Trotz der ungünstigen Witterung hatten sich die angemeldeten Vereine recht zahlreich eingefunden. Das gediegene Programm umfasste 24 Nummern. Der Festgottesdienst mit Fahnenweihe uns Ansprache des neuen Kaplans Christian Schmitz bildete den Auftakt zu dem großen Tag. Mit Volksbelustigungen ging es weiter, und ein Konzert am Abend bildete den würdigen Abschluss“.
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Weihnachtsoratorium von Fidelius Müller (1908)

Dass der zahlenmäßig relativ kleine „Cäcilienchor“ einen außergewöhnlich guten Klangkörper darstellte, machen kritische Stimmen im Jahre 1908 deutlich:

„Am Weihnachtsabend dieses Jahres führte der Chor das Weihnachtsoratorium von Fidelius Müller auf, ein Werk das erhöhte Anforderungen an Chor und Dirigenten stellte. Schwierig und mühevoll gestalteten sich die Vorbereitungen, und es erforderte großen Mut, mit einem kleinen Chor eine solche Arbeit aufzunehmen. Umso größere Anerkennung muss man den Beteiligten zollen, die sich der Mühe unterzogen und ihrer Arbeit n vollem Maße gerecht wurden. Herr Cartus hat gezeigt, dass er nicht nur selbst tief in die Komposition eingedrungen ist, sondern auch weiß, wie er die einzelnen Darsteller unterweist, die Situation richtig zu erfassen, um so ganz in ihrer Rolle aufzugehen. Der Dirigent hat die Befähigung erbracht, auch einem großen Chor vorzustehen.“

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Nikolaus Maas (1911-1943)

Von Michael Cartus wird berichtet, dass er im Jahre 1907 die Posthilfestelle zum Verkauf von Postwertzeichen übernahm. Der nunmehr 38-jährige räumte aber seine Küster- und Organistenstelle für einen neuen Mann, der aus Saarwellingen kam, namens Nikolaus Maas.

Herr Maas ist den heutigen mindestens fünfzigjährigen Pachtenern noch in bester Erinnerung. (aus der Sicht des Autors der Festschrift „100 Jahre Kirchenchor“ von 1974)

chronik005Nikolaus Maas (1911-1943)

Aus dem Vorausgegangenen ist zu schließen, dass Herr Maas im Jahre der Einführung von Pastor Nikolaus Reitz ein leichtes Erbe antrat, da ein leistungsstarker Chor und eine Orgel vorhanden waren. Der neue Küster und Organist ging, unterstützt von dem ersten Vorsitzenden Jakob Conrad (Schonge Jokel), mit Elan an die Arbeit.

chronik006Pfarrer Nikolaus Reitz (1907-1911)

Höhepunkte des Jahres und die Krönung intensiver Probearbeit waren die hohen Feste des Kirchenjahres, aber auch die mit Begeisterung durchgeführten Dekanatscäcilienfeste. Nicht zuletzt, und wie könnte es anders sein, auch von Frohsinn und Laune, von Geselligkeit, Witz und Humor, sogar von tiefer Liebe zur Muse des Theaterspiels, weiß die Chronik zu erzählen, alles Zeichen eines guten Chorgeistes.

Nach vierjähriger Amtszeit verließ Präses Nikolaus Reitz die Pfarrei im Jahre 1911, 37-jährig und schwer krank. Ein neuer Pastor, Pfarrer Marzellus Bohn, wurde 1911 eingeführt.

Das religiöse Leben blühte. Doch Zwietracht und Engstirnigkeit von vaterländischen Vereinen führten zu Spaltungen des Pfarrlebens, vor denen auch das Vereinsleben eines Kirchenchores nicht verschont blieb.

Eine nicht zu vermeidende Krise im Chorleben trat ein mit Ausbruch des ersten Weltkrieges. Die wehrfähigen jungen Männer wurden eingezogen und das Chorleben erschwert.

Ein Jahr vor diesem Krieg feierte man noch am 20. Oktober 1913 das Fest des 40-jährigen Jubiläums. Es war am Gedenktag der Völkerschlacht bei Leipzig. Sicher wird es Herrn Maas, dem jungen und zielstrebigen Organisten nicht leicht gefallen sein, in den folgenden schweren Kriegsjahren mit seinem zahlenmäßig reduzierten Kirchenchor den Festen des Kirchenjahres in angemessener Form Rechnung zu tragen. Leider fanden sich in der Chronik über den erwähnten Zeitraum keine Hinweise über die Vereinsgeschichte, lediglich ein Kurzbericht über die Feier anlässlich des Goldenen Priesterjubiläums von Bischof Michael Felix Korum am 3. Januar 1916.

„Zu der Feier begrüßte Pfarrer Bohn eine stattliche Zahl von Feldurlaubern. Der Kirchenchor umrahmte die Feier mit ausdrucksvoll vorgetragenen Liedern“.

Am Ende des ersten Weltkrieges steht die traurige Bilanz: Sechs junge aktive Sänger sind auf den Kriegsschauplätzen im Osten und Westen gefallen. Ihre Namen:

Nikolaus Gansemer, Johann Groß,
Nikolaus Bourgeois, Peter Conrad,
Johann Kockler, Johann Selzer

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Blütezeit nach dem 1. Weltkrieg

Nach dem Krieg musste der Chor neu beginnen. Am 27.11.1921 veranstaltete der Chor eine kirchenmusikalische Andacht, die man in der Presse als „Großes, wahrhaft Großes liegt in der Kirchenmusik“ kommentierte, und in Würdigung der chorischen Darbietungen wurden die guten Leistungen des Dirigenten Nikolaus Maas, erstmals auch die seines Sohnes Matthias hervorgehoben. Beide haben in der sich nun anbahnenden Blütezeit des Cäcilienchores unermüdlich zum Wohle dieses Klangkörpers gearbeitet, sich gegenseitig ergänzt oder unterstützt, der eine als Dirigent, der andere als Organist, sodass in den folgen Jahren Werke namhafter Komponisten aufgeführt werden konnten. Von diesem Zeitpunkt anwurde der bisher als Männerchor bestehende Verein als gemischter Chor weitergeführt. Neben der Aufführung von mehrstimmigen Messen für vier- und fünfstimmigen gemischten Chor wurden auch weltliche Konzerte vokalen und instrumentalen Charakters aufgeführt. Es sei hier unter anderem das Wohltätigkeitskonzert vom 28.11.1922 erwähnt. (Eintritt: 150 Mark!) Dass es trotz der umfangreichen Vorbereitungen zu dem alljährlich im November stattfindenden Cäcilienfest hat durchgeführt werden können, zeugt von lobenswertem Engagement von Vater Maas und Sohn Matthias. (Es sei gestattet, die ausgezeichnete Zusammenarbeit der Vorgenannten mit dem damals bekannten Streichorchester Geschwister Becker, Maas und Meunier nicht unerwähnt zu lassen.) Dafür bot die am Patronatfest des Jahres 1924 aufgeführte preisgekrönte „Salve Regina“-Messe von Stehle für gemischten Chor, Orgel und Streichorchester die beste Gewähr. Der oben erwähnte Karl Meunier ist heute als 76-jähriger noch ein treues förderndes und Ehrenmitglied der „Cäcilia“.

chronik006aPfarrer Marcellus Bohn (1911-1926)

Im Jahre 1923 konnte der Chor sein 50-jähriges Bestehen feiern. Es war eine sehr gut besuchte, eindrucksvolle Veranstaltung, die im Saale Groß stattfand. Man gedachte mit ehrenden Worten der Gründer des Vereins.

Als im Jahre 1925 Kaplan Peter Domann nach Pachten kam, konnte der Kirchenchor sich glücklich preisen, in ihm einen unerwartet tatkräftigen Förderer des Kirchengesangs und der Kirchenmusik gefunden zu haben. Es war ein zusätzliches „Geschenk des Himmels“ wie man allenthalben vernehmen konnte. Kaplan Domann war sehr musikalisch, spielte selbst Orgel, sang im Tenor mit und wurde tragende Säule des Chores, so recht nach dem Wunsch eines Chorleiters. Es sparte nicht mir Kritik, wenn in den Proben sich Ermüdungserscheinungen ein schlichen. Natürlich stellte er als Mitarbeiter des Pfarrers ein einzigartiges Bindeglied der zwischen dem Präses und dem Chorleiter, wie auch schließlich zu allen Sängerinnen und Sängern, sodass diese Gemeinschaft getragen wurde von einer eifernden Begeisterung für Kirchenmusik und Kirchengesang, ohne dass dem weltlichen Liedgut die gebührenden Aufmerksamkeit und Pflege versagt geblieben ist. Die Vereinsführung lag in den Händen des Präsidenten Nikolaus Gerhard. Es wird ihm eine Freude gewesen sein, einem so starken Chor vorzustehen.

Am Fest Allerheiligen 1925 sang der Chor die siebenstimmige „Missa Brevissima“ zu Ehren des hl. Hieronymus, von Joh. Ung. Ahle.

Einen Höhepunkt in der Chorgeschichte der zwanziger Jahre stellte zweifellos die Aufführung des Oratoriums „Die heilige Cäcilia“ von Wildberger am 29.11.1926 dar.

In der Pfarrchronik – aus Presseberichten notiert – heißt es: “Das war für Pachten ein bisher fremdes Ereignis. Ein großer Unternehmensgeist des Chorleiters und ein nicht minder großer Opfermut der Mitglieder gehören dazu, sich an eine solche Aufgabe zu wagen.

Solisten stellte der Chor selbst. Dass es über so gute Einzelstimmen verfügt, ist bewundernswert. Die weiche Sopranstimme Maria Ferner (Kirchenstraße) als Cäcilia und der angenehme Bass von Johann Haag (Gartenstraße) als Valerian verdienen besondere Anerkennung.“

Der Chor zählte zu dieser Zeit etwa 60 Aktive. Ein Gruppenbild, vor dem 1924 angefangenen und später fertig gestellten Jugendheim dokumentiert das relativ junge Durchschnittsalter seiner Sängerinnen und Sänger. Nicht alle Mitglieder waren bei der Aufnahme zugegen.

chronik007

Chor anlässlich des Abschiedes von Kaplan Domann (1927)

Im Jahre 1927 hieß es für Kaplan Domann, Abschied zu nehmen von Pachten und dem liebgewonnenen Chor. Für die Vereinsangehörigen und den Präsidenten Nikolaus Gerhard und Chorleiter Nikolaus Maas mag dies ein schmerzlicher Abschied gewesen sein; denn man hatte ihm manchen Erfolg zu danken.

Ein neuer Pastor war Anfang des gleichen Jahres gekommen, Herr Anton Nachtsheim. Mit Genugtuung und Anerkennung würdigte er die Leistungen und das hohe Niveau des Kirchenchores. Kaum waren 2 Jahre vergangen, trat der Chor von neuem mit einem großen Werk an die Öffentlichkeit. Im bis auf den letzten Platz besetzen Saale Hector-Leinen wurde am 10.03.1929 das Oratorium „Der hl. Bonifatius“ aufgeführt. Auch diesmal war die mühevolle Probenarbeit von Erfolg gekrönt.

chronik008Pfarrer Anton Nachtsheim (1927-1941)

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Krise und zweiter Weltkrieg

Das Amt des Präsidenten hatte seit Januar 1929 Herr Karl Leinen aus der Maximinstraße inne. Leider war ihm keine lange Präsidentschaft vergönnt; denn bald – in den Anfängen der 30er Jahre, begann eine Krise, deren Ursachen der Chronist im einzelnen nicht kennt.

In den folgenden Jahren übernahm eine Männergruppe unter Leitung von Organist Maas die Mitgestaltung der Gottesdienste. Die Mitte der 30er Jahre sich anbahnenden schwierigen innen- und gesellschaftspolitischen Verhältnisse, die einen nachhaltigen Einfluss auf Familien- und Vereinsleben ausübten, taten ein übriges. Im Grunde blühte das religiöse Leben, obgleich es sich nach außen nicht manifestieren durfte. Am 28.12.1941 starb Herr Pfarrer Anton Nachtsheim unerwartet. Pfarrer Jakob Gilen trat am 13. Mai 1942 die Nachfolge an

chronik009Pfarrer Jakob Gilen (1942-1954)

Chorleiter Nikolaus Maas war im Alter von 69 Jahren verstorben. Sein jüngster Sohn Vitus, der in die Fußstapfen seines Vaters treten sollte, war an der Front. Kein Küster, kein Organist, kein Chorleiter! Da scharte sich ein kleiner, gemischter Chor um Frau Alwine Schäfer. Frau Schäfer half mit bestem Erfolg der Pfarrgemeinde und dem Kirchenchor heraus aus einer Zeit unangenehmer Vakanz. Er war mehr als nur ein Notbehelf; es war das Fundament zum Aufbau eines neuen starken Chores nach dem Krieg. Obwohl die Jahre 1945-1946 nur ein bescheidenes Chorleben aufwiesen – viele Männer waren noch nicht zurückgekehrt – hatte sich doch eine Kameradschaft gebildet, die man heute noch als vorbildlich preist. Darauf aufbauend wuchs die Zahl der Mitglieder am Ende des ersten Nachkriegsjahres auf 50.

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Vitus Maas (1946-1967)

Herr Vitus Maas übernahm, aus Krieggefangenschaft heimgekehrt, am 1. Mai 1946 die Leitung des Chores und trat als Nachfolger seines Vaters die Stelle des Küsters und Organisten an.

chronik010Vitus Maas (1946-1967)

Während in den Kriegsjahren eine Vereinsführung nicht bestand, wählten die Mitglieder nun einen neuen Vorstand und schufen damit die Voraussetzung zum Aufbau eines neuen und zielstrebigen Chores. Vorsitzender wurde Jakob Reiter aus der Wilhelmstraße. Ein Jahr später wurde infolge Erkrankung eine Neuwahl des 1. Vorsitzenden erforderlich. Der neue Präsident hieß Nikolaus Lauer; 12 Jahre lenkte er die Geschicke des Vereins. Heute noch ist er aktiver Sänger (aus der Sicht des Jahres 1974).

Der Chor griff bald die Tradition der Gestaltung der Cäcilienfeste auf, knüpfte Freundschaften zu leistungsstarken Nachbarchören, und neben Aufführungen bedeutender lateinischer Messen stand die Pflege des Gregorianischen Chorals hoch im Kurs. Nur der Fachmann weiß, wie schwer gerade diese Form des Kirchengesang zu bewältigen ist (Schade, dass heutzutage die alten Choralbücher mehr und mehr Staubfänger in den Notenschränken geworden sind). Mit Eifer und Ausdauer engagierte sich der Chor bei kirchliche und weltlichen Feiern. Wie 23 Jahre zuvor Vater Nikolaus Maas sich die schwierige Aufgabe stellte, das Oratorium „Der hl. Bonifatius“ einzustudieren, tat Sohn Vitus ein gleiches mit der Aufführung desselben Werkes am 6. April 1952.

Was dem Vater recht war, sollte dem Sohn billig sein. Dass die Ortsvereine, wie Sängervereinigung „Concordia“, Volksbühne Pachten und die katholische Jugend mitwirkten, stellt die gute Zusammenarbeit der Ortsvereine unter Beweis. Herr Maas konnte hier einen großen Erfolg verbuchen. Denn bei zweimaliger Aufführung war jedes Mal der Saal Hector-Leinen bis auf den letzten Platz gefüllt.

Herr Pfarrer Gilen verließ im Jahre 1953 Pachten aus Krankheitsgründen.

Nachdem Herr Pastor Alois Molter am 28. März 1954 eingeführt war, wurde 1 Jahr später, auf den Monat genau, der Pfarrei und nicht zuletzt auch dem Chor für seine Bemühungen und Verdienste eine neue Orgel vorgestellt. Sie war nicht nur Geschenk, sondern Verpflichtung zugleich, welcher sich Dirigent und Chor in fleißigem Bemühen mit wachsendem Erfolg bewusst waren.

chronik016Dechant Alois Molter (1954-1969)

chronik011Chor anlässlich der Orgelweihe 1955

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